Auf den Spuren von Maertens und Co / 04.-07.05.
Auf den Spuren von Maertens und Co / 04.-07.05.
Sportlicher Austausch mit Radsportlern aus Belgien findet eine Fortsetzung
Radprofis, die sich zu einem der zahlreichen Frühjahrsklassiker im nach Radsport verrückten Belgien anmelden, wissen, auf was sie sich einlassen: Nämlich wahrlich keine Rennen für Weicheier, dafür sorgt schon die Jahreszeit. Wer auf Strecken wie Paris-Rubaix, Lüttich-Bastogne-Lüttich, Gent-Wevelgem oder der Flandern-Rundfahrt bestehen will, muss wetterresistent sein, darf vor wirklich steilen Anstiegen keine Angst haben, muss eine gehörige Portion Mut mitbringen und sich gefallen lassen, auf dem wohl am schlechtesten verlegten Kopfsteinpflaster der Welt auch die innersten Innereien durchgeschüttelt zu bekommen.
"Heute habt ihr die See gesehen. Morgen seht ihr den Himmel und am Freitag die Hölle"
Den neun Aktiven des RSV98 Warburg war natürlich auch klar, das die Einladung der befreundeten "Kronentrappers" aus Belgien nicht zu einer feucht-fröhlichen Mehrtagestour ins benachbarte Bierland ausarten würde. Was sie dann aber in vier Tagen erlebten, hat die Sichtweise in Sachen Radsport erweitert, aber auch verändert.
Vier Tage erlebte die Gruppe um den ersten Vorsitzenden Heribert Neuhann und Delegationsleiter Michael Ritgen eine unbeschreibliche Gastfreundschaft, eine komplette Rundumversorgung, ein tolles, abschließendes "Barbecue" im Vereinslokal "De Kroon" und dabei viele nette Leute zusätzlich und die schon bekannten noch besser kennen.
Klar, dass bei einem Treffen zweier Radsportvereine der sportliche Austausch im Vordergrund stand, aber dennoch kam auch das Gesellige nicht zu kurz. An dieser Stelle gerieten alle Beteiligten nicht selten in einen Zwiespalt, Gäste wie auch Gastgeber, denn auch die gemütlichen Runden mit Willy, Dirk, Rick, Frans, Marcel, Toon und allen anderen waren schön, verkürzten aber die Zeit, die letztendlich noch zum Ausruhen blieb. Denn Radfahren mit "De Kronentrappers" heißt in erster Linie "früh aufstehen".
Nach der Anreise am staugefährdeten Tag vor dem Vatertag mit anderthalb Stunden "stop and go" rund um Antwerpen, blieben nach der Begrüßung nur noch wenige Stunden Schlaf, denn schon um sechs Uhr klingelte der Wecker. Pünktlich um sieben Uhr startete dann eine Gruppe von über 30 Radsportlern samt Begleitfahrzeug (ist in Belgien bei größeren Gruppen Pflicht) in Richtung Küste.
Fünf Minuten hielten alle an der Nordsee angekommen die Nase in die Seeluft, anschließend ging es in flottem Tempo zurück. 120 Kilometer hatten die Radler auf der Uhr. Nach einem nachmittäglichen Ausflug nach Ostende folgte die Vorbereitung auf Tour zwei, "nur" etwa 90 Kilometer lang, aber mit dem berühmt-berüchtigten Kemmelberg. "Gestern habt ihr die See gesehen, heute den Himmel", meinte Toon Lefebvre wohl den 20-prozentigen Anstieg auf Kopfsteinpflaster, um dann anzufügen, "und morgen seht ihr die Hölle."
In der Tat, denn bei Tour drei, der "kleinen Flandern-Rundfahrt" über 120 Kilometer, machten die Warburger Bekanntschaft mit weiteren 15 mörderisch steilen Hellingen, die auch die letzten Körner aus den Muskeln zogen. Fünf der neun RSVer wagten sich an dieses Abenteuer heran.
Die nur im Begleitfahrzeug fahrenden Warburger schwankten zwischen Frust, den entsprechenden Mut für die Tour am Morgen nicht gefunden zu haben, und Erleichterung, diese Tortur nicht "erleiden" zu müssen. Die sich durchkämpften, beneideten die Verweigerer unterwegs schon ein wenig , erlebten dann aber das tolle Gefühl, es geschafft zu haben. Und dabei verschafften sich die Warburger auch Anerkennung der belgischen Radfahrer. So hatte sich Heribert Neuhann, der für seine Bergqualitäten bekannt ist, die "Mauer von Geraardsbergen" wenige Kilometer vor dem Ziel aufgespart, um eine Attacke zu starten. Anerkennendes Schulterklopfen wurde ihm ebenso zuteil, wie Udo Kurten, der als Dritter auf der Kuppe ankam. Das allein war schon Gänsehaut pur und ließ erahnen, was auf und an der Strecke los sein muss, wenn es dort Jahr für Jahr um richtig große Siege geht.
Aber auch alle anderen waren froh und stolz, die Runde geschafft und den eigenen Schweinehund dabei mehrfach besiegt zu haben. Nach dem Verladen der Räder auf eine Anhöhe kurz vor dem eigentlichen Zielort Meerbeke, kehrten alle ein, in eine sehr schlichte Gaststätte, in der aber Schwarz-Weiß-Bilder von Eddy Merckx und unzählige Pokale deutlich machten, dass in diesem karg eingerichteten Lokal ebenfalls ein deutlich wahrzunehmender Hauch von Radsportgeschichte vorherrschte. Bei einem gezapften "Jupiler" oder einem "Leffe blond" wurde auf die gelungene Runde angestoßen.
Ein Besuch im Fahrrad-Museum in Roeselare mit einem Zusammentreffen mit Radsport-idol Freddy Maertens und ein Empfang in "Stadthuis" von Roeselare durch den Sportdezernenten der Stadt, Geert Messiaen, rundeten am Tag zuvor das sportliche Programm ab. Etwas müde aber voller positiver Eindrücke kehrten die RSVer nach vier spannenden Tagen wohlbehalten nach Warburg zurück. Das nächste Wiedersehen mit "De Kronentrappers" folgt in Warburg. Und darauf freuen sich schon jetzt alle. Vielleicht schon beim Super-Cup, den der RSV am 16. Juli veranstaltet.

